Wiedervernässung, Nutzung und Potenziale
Der Themenabend Moor stieß auf großes Interesse und der Saal im Haus der Natur an seine Grenzen. Das Thema Moor in Brandenburg zog viele Interessierte aus dem Naturschutz, aus der Landwirtschaft, aus den Ministerien und Private an.
Zur Einstimmung auf den Abend und das Thema stellte Anja Fiedler ihre Kunstinstallation "Moorpraline" vor. Die Teilnehmenden konnten eine Schoko-Torf-Praline aus etwa 2.000 Jahre alten Pflanzenresten probieren, garniert mit einer sibirischen Moosbeere und mit Salz massiertem Moos.
Anschließend führte Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Wissenschaftlicher Klimabeirat) in einem Impulsvortrag weiter aus, warum Moore für Klimaschutz, Klimaanpassung und Artenschutz wichtig sind.
Sebastian Petri berichtete in seinem Vortrag von seinen Erfahrungen auf dem Moorhofer Grünlanhof, der ein Moor mit Paludikultur und Büffeln bewirtschaftet. Er erklärte die Nutzungsmöglichkeiten der Flächen und der Paludikultur, aber auch wo derzeit noch Probleme liegen, um das Geschäft wirklich wirtschaftlich zu gestalten.
"Moore und die landwirtschaftliche Bewirtschaftung von Mooren machen 12-13% der gesamten Treibhausgasemissionen in Brandenburg aus"
- Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen
"Wir haben schon sehr viele Sachen ausprobiert und gemacht, aber wir haben keine Praxistauglichkeit. Das ist die Sache, wo die Politik meiner Meinung nach eingreifen müsste: Die Wirtschaft braucht einen Antrieb, dass diese Materialien verwendet werden."
- Sebastian Petri
Nach diesen Impulsen diskutierten auf dem Podium auch Prof. Dr. Vera Luthardt (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) und Albert Wotke (WWF Deutschland) mit, wie Moorschutz und -wiedervernässung in Brandenburg gelingen kann.
Prof. Dr. Vera Luthardt gab interessante Einblicke in ihre Erfahrungen aus der wissenschaftlichen Begleitung von Moorschutz und Wiedervernässungsprojekten. Für sie ist Moorschutz unerlässlich, um die Boden weiterhin landwirtschaftlich nutzbar zu halten. Problematisch sieht sie unter anderem, den geringen Wasserhaushalt schon jetzt in Brandenburg sowie die maroden Staue, die bei Moorwiedervernässungsmaßnahmen bedacht werden müssen.
"Wir haben in Brandenburg überhaupt nicht genug Wasser, um jetzt sämtliche Moore wieder pottnass zu machen. Da müssen wir auch realistisch sein. Sondern es geht darum, mosaikartig gestaffelte Lösungen für die größeren Niederungsgebiete zu erdenken."
- Prof. Dr. Vera Luthardt
Albert Wotke berichtete vom kürzlich von der Landesregierung abgesagten Wiedervernässungsprojekt des WWF und der NABU-Stiftung Natürliches Naturerbe im Niederoderbruch. Er erzählte von verschiedenen Ideen, wie Stakeholder und Menschen vor Ort mitgenommen werden können.
In der anschließenden Diskussion kamen auch einige Publikumsteilnehmende zu Wort und berichteten von ihren Erfahrungen. Es wurde deutlich, dass Moorschutz eine Querschnittsaufgabe ist und vor einer Vielzahl an Hürden steht, die in Zusammenarbeit von Wirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz und Wassermanagement überwunden werden müssen. Die Politik steht in der Verantwortung, die notwendigen Stellschrauben zu setzen, um diese gemeinsame Arbeit und den Moorschutz effektiv voranzubringen.
Im Publikum saßen auch der neue Abteilungsleiter für "Klimaschutz, Schwarzarbeitsbekämpfung, Geldwäscheprävention" am Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (MWAEK), Kurt-Christoph von Knobelsdorff, sowie der Abteilungsleiter für "Naturschutz, Nationale Naturlandschaften und Bildung für nachhaltige Entwicklung" am Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV), Dr. Frank Reichel. Das sind gute Voraussetzungen für eine zukünftige Zusammenarbeit der Themenfelder. Aus dem Landtag waren Gunnar Lehmann und Andreas Kutsche für das BSW zu Gast.
Die rege Teilnahme zeugt davon, dass viele Menschen, die Notwendigkeit zu handeln sehen und sich bereits trotz der verschiedenen Hürden für den Schutz der Moore einsetzen. Wir erwarten, dass die Landespolitik ihren Beitrag zu diesem Klima- und Naturschutzprojekt leistet.
Die Impulse und die Podiumsdiskussion wurden aufgenommen und können auf Youtube angesehen werden.